In my Hometown – Rock-Ikone Bruce Springsteen hat seine Herkunft nie verleugnet. „The Boss“ machte nie ein Hehl daraus, dass das kleine Städtchen Freehold im US-Bundesstaat New Jersey ein fester Bezugspunkt für ihn blieb, Ein teils realer, teils imaginierter Ort der Jugend, des Erwachsen Werdens, ein emotionales Epizentrum für sein ganzes späteres Leben. Meine Heimatstadt heißt Wolfratshausen, dort 30 Kilometer südlich Münchens bin ich geboren und aufgewachsen. Immerhin zählt der Marktflecken am Ufer der Loisach fast doppelt so viele Einwohner als Springsteens Freehold, mittlerweile so um die 20.000. Im Stadtwappen tanzt der schwarze Wolf, dabei hängt ihm eine feuerrote Zunge aus der Schnauze. Früher war Wolfratshausen einfach nur die „Flößerstadt“, hier am Zusammenfluss von Isar und Loisach war ein wichtiger Umschlagplatz für waren die aus dem Süden, aus Tirol, aus Italien kamen. Heute ist der Markt, mit seinen Brauereien und Gasthäusern zu einer Trabanten-, einer Schlafstadt des übermächtigen urbanen Mega-Molochs im Norden degradiert worden. Traurig. So gibt es wenig, dass in kulinarischer Hinsicht Herz und Gaumen erfreut. Die langgezogene alte Marktstraße – geteilt in Unter- und Obermarkt ist mit seinen Giebelhäusern und der stattlichen, bayrisch-behäbigen Stadtpfarrkirche Sankt Andreas nett anzusehen, doch quirliges, städtisches Leben sucht man vergebens. Wie gut, dass es noch einen Ort gibt, der definitiv einen Besuch lohnt, die Bäckerei Bartl am Obermarkt 6.
Der Bart’l Bäck, der heute zur Bäckerei & Konditorei Manfred Burger gehört, bietet auf den ersten Blick nicht übermäßig viel Auswahl, an der Fensterscheibe die Plunderteilchen, das Blätterteiggebäck, in der Mitte die herzhafteren Backwaren, Semmeln, Brezen, Brötchen und hinter der Glasvitrine, neben der Kasse und in Griffweite der Bedienung ein paar Kuchen und Torten auf ihren Tellern. Doch was es beim Bart’l Bäck gibt hat Hand und Fuß, solide Konditoren-Kunst, die so aussieht wie sie schmeckt, süß, schleckert und fluffig. So wie „Süßzeug“ sein soll, ohne Kapricen und Manierismen. Probieren – als Starter empfehle ich die kleinen, knusperigen Quarktäschchen mit feiner Füllung, immer eine gute Wahl.
Wie heißt es so treffend in den munteren Versen eines unbekannten Lyrikers über der Eingangstür, zweifellos von Thalia, der Muse der heiteren, bukolischen Poesie inspiriert: „Zum Peterbäck wird’s hier genannt, den alten Kunden wohlbekannt. Gott bewahre mich vor aller Not, dann back ich gern das täglich Brot. Mach Semmeln, Zöpf und Brezen fein, Sie sollen euch zum Wohle sein. Brauch ich mein Schärflein dann nicht stunden, so dank ich wohl den lieben Kunden.“
Euer Torten-Tester Dinesh Bauer
Torten: 3,5 Kuchen/Gebäck: 4,5. Kaffee: 3,0, Ambiente: 4,0 Preis: 4,0, Service: 5,0 Gesamtnote: 4,0
Adresse: Obermarkt 6, 82515 Wolfratshausen, Telefon: 08171-76787, Web: http://www.burger-baeckerei.de


Er ist eine Institution im Tölzer Land – da Eberl in Bichl. Als originales Oberlandler-Gwachs ist mir die Dorfbäckerei zu Füßen der Benediktenwand selbstredend seit Jahrzehnten bestens bekannt. Ein Fixpunkt auf der Landkarte für süße Sachen. Und die Brezen – knusprig und resch – sind sowieso sensationell. Einfach guad – einfach gschmackig. Manchmal mach ich deswegen sogar einen kleinen Schlenker, damit Bichl und sei Bäck am Weg liegt. Aber nur manchmal! Es ist halt wie im Krimi, der Mörder kommt stets zum Ort seiner Verbrechen, seiner „Schandtaten“ zurück. Der „Modus Operandi“ bleibt sich dabei immer gleich. Zuerst verschwinden ein oder zwei Brezen in den Hamsterbäckchen und hinterlassen beim „Abgang“ einen feinen salzigen Geschmack im Gaumen. Hernach verabreiche ich mir das Gegengift – und zwar wohldosiert.
In Form einer „kalorienreduzierten“ Cremetorte oder eines Obstkuchens mit Sahne wirkt das Serum hervorragend. Süß und sahnig, inniglich, himmlisch. Zwischen den Begriffen „Torte“ und „Toter“ besteht eben ein feiner semantischer Unterschied, der indes essentiell ist. Doch zurück nach Bichl, zurück zum Bäcker mit dem Brezen-Signet: der Eberl-Family, einer alteingesessenen Brot- und Brezenmacher-Dynastie . Schon vor 350 Jahren – vor kurzem gab es aus diesem Anlass ein kleines Fest’l – fand das Anwesen Nr. 13 Erwähnung, der “Peck”, als die Baulichkeiten von einer gewissen Familie Mayr erworben wurde. Seitdem steht der „Bäck vo Biche“ für Kontinuität. Seit über 300 Jahren wird hier die Backstube angeschürt – eine Seltenheit in der schnelllebigen Zeit der Back-Shops und Semmel-Discounter. Ja der Bichler Traditionstempel gilt als einer ältesten Bäckereien Deutschlands. Der jetzige Junior-Chef Josef Eberl jun. Schmeißt den Laden nunmehr in der fünfzehnten Generation. Eine beeindruckende Zahl.
Auf dem Weg vom bescheidenen Dorfbäcker zum lokalen Anbieter mit einigen Filialen und einem 2017 neu errichteten Café im luftigen Loft-Look ist der Bichler-Bäck doch dem Grundsatz traditioneller Handwerkskunst treu geblieben: selbst gemacht schmeckt am besten. Auch oder gerade weil die Bäckerei Eberl in technischer Hinsicht zu den modernsten Betrieben seiner Art zählt. Die verwendeten Rohstoffe kommen aus der Region und bei der Herstellung der „Ware“ lässt man sich Zeit. Schließlich muss der Teig gehen damit der Geschmack richtig zur Geltung kommt. Basis der Brote ist der hauseigene Natursauerteig, mit frischer Hefe, ohne Backmittel und ohne Konservierungsmittel. Roggen, Weizen, Dinkel & Co. werden jeden Tag frisch in der Mühle gemahlen und innerhalb weniger Stunden verarbeitet, dadurch bleiben erheblich mehr Vitamine und Spurenelemente erhalten.
Doch Brot allein macht zwar satt, zum stillen Glück des Genießers gehört jedoch für mich noch der verführerische Duft aus der Tortentheke. Mit konkreten Empfehlungen tu ich mich da immer etwas schwer, eines sei jedoch verraten. Auf meiner persönlichen Ranking-Skala stehen ein (mit Mandeln) gedeckter Apfelkuchen und die kreativen Kreationen der Torten-Kunst, wobei ein Klassiker wie die Schwarzwälder Kirsch für mich einfach unerreicht bleibt. In dem Sinne: lasst es euch schmecka ihr Frecka…
Die Bäckerei Gattinger ist ein Geheimtipp – mitten in Sendling und doch nicht „mittendrin“. Seit über 70 Jahren rollen Semmeln, Laiberl, Weckerl und Brezen aus der Backstube nach vorn ins Café. Und natürlich auch süße Sachen, Quarktaschen, Streuseltaler, Nusshörndl. Alles aus hauseigener Produktion, was heute leider schon Seltenheitswert hat. Denn nicht in jeder „Bäckerei“ wird auch selbst gebacken. Der Backautomat, die tiefgekühlte Fertigware ist nicht nur in den zahllosen Café-Shops, „Back-Paradiesen“ und SB-Discountern auf dem Vormarsch. Beim Gattinger ist dem nicht so. Der „Brez’n Sepp“, der leider vor einigen Jahren verstorben ist, hat sich Nomen est Omen mit seinem feinen, knusprigen Laugengebäck einen Namen gemacht.
Inzwischen führen seine beiden Söhne – mit Hilfe der Verwandtschaft – den Laden weiter. Die Konditorei liegt gleich neben dem Luise-Kiesselbach-Platz, neben einer alteingesessenen Wirtschaft, dem „Wöllinger“. Von außen macht das Geschäft nicht viel her, das Angebot an Süßwaren dafür umso mehr. Das Mehl bezieht der „Gattinger“ von einer Privatmühle, die Bohnen von der Kaffeerösterei Dinzler, die sich von einer kleinen privaten Rösterei zu einem regionalen Multi mit breit gefächertem Vertriebsnetz gemausert hat. Capuccino, Espresso & Co. brodeln wie üblich aus dem Vollautomaten, der Filterkaffee wird wie in alten Zeiten aus der Thermoskanne ausgeschenkt.
Was den Sendlinger „Bäck“ zum lohnenswerten „Ausflugsziel“ für Marzipanmäulchen und Zuckerschnuten macht, ist das Wunderland in der Glasvitrine. Sahneschnittchen, Obstkuchen und vor allem das Plundergebäck – Croissants, Rosinenschnecken, Kirschplunder, Quarkstreusel lassen das Herz hüpfen. Die goldgelbe Kruste zersplittert beim ersten Biss, die „Füllstoffe“, Topfen, Marmeladen et cetera zergehen auf der Zunge. Das mobilisiert die Endorphine und weckt die guten Lebensgeister. Bis – simsalabim – die letzten Krümmel vom Teller stibitzt sind. Das Laden-Café bietet an 5 Tischen Platz für rund 25 Besucher. Wegen dem nun ja, „Bistro-Chic“ des Interieurs verirrt sich niemand hierher, sondern einzig und allein um zielgerichtet der Süß-Sucht zu frönen. Jeden Freitag lockt ein besonderes „Schmankerl“: ein Reinderl Apfel- und Topfenstrudel. Fast so fein wie bei Mama daheim. Da heißt es dann fix sein, um ein Strudel-Stückchen mit fein säuerlichem Aroma zu ergattern. Fazit: ein virtuoses Kuchengabel-Menuett in Ess-Dur.
Das Café liegt im Münchner Stadtteil Giesing. In unmittelbarer Nähe des Grünwalder-Stadions, die alte Heimat der 60er sowie der U-Bahnstation Wettersteinplatz. Die zentrale Lage im Viertel zieht viel Laufkundschaft an. Die Kuchentheke ist denn auch gut bestückt, mit den All Time-Klassikern wie Käsekuchen oder dem bayrischen „Mustertörtchen“, der Prinzregententorte, aber auch mit innovativeren Kreationen der Konditorenkunst: ich entdecke zum Beispiel eine Nußcreme-Torte oder eine Torta della Nonna, ein traditioneller italienischer Kuchen, nach Art der Nonna, sprich der Großmama. Omis Kuchen sind bekanntlich die Besten. Bei dem Oma-Törtchen handelt es sich um einen feinen Mürbeteig-Kuchen, gefüllt mit Puddingcreme, garniert mit Pinienkernen und mit Puderzucker bestäubt. Das alles sieht sehr appetitlich aus – und macht rein optisch einiges her. Ich und mein Spez’l Andi machen also die Probe aufs Exempel – und ordern etwas. Das Café selbst ist klein und schnuckelig, nicht größer als 30 Quadratmeter und bietet an insgesamt fünf Tischen Platz für maximal 20 Gäste. Dann ist der Laden aber voll. Die Einrichtung macht auch nicht viel her – fällt aber auch nicht irgendwie unangenehm auf. Durch die lange Fensterfront ist der raum sehr hell und licht. Aber hier drin zählen eigentlich nur die „inneren Werte“.
In punkto Kaffee-Kultur gibt es keine großen Extravaganzen -alles sehr straight. Cappuccino, Milchkaffee, Espresso, Filterkaffee, nirgends prangen die Logos angesagter Nobel-Röstereien. Hier dreht sich alles ums Wesentliche, die selbst fabrizierten Kuchen-Köstlichkeiten. Wir beide sind uns einig: der Käsemohn-Kuchen und die Torta della Nonna sind sehr lecker. Das Service-Personal ist auf zack – nicht übermäßig freundlich, aber die Bedienung erledigt ihren Job fix und unaufgeregt. Die Preise bewegen sich im mittleren Bereich, nicht eben ein „Sahne-Schnäppchen“, aber auch keine Preis-Ausschläge nach oben. Münchner Durchschnitt. Fazit: wenn man in der Gegend ist, unbedingt vorbeischauen und sich ein oder zwei Stückerl Kuchen einwickeln lassen.
Coffee to go? Selbstredend ein No-Go. Schon wegen der Wegwerf-Becher und allen damit verbundenen ökologischen Sauereien – aber nicht nur. Kaffee ist für mich der reine Genuss. Kaffee gehört in die Tasse und nicht in Papp- oder Plastikbecher. Das edle Gebräu aus Arabica- oder Robusta-Bohnen ist kein Ex und Hopp-Getränk für unterwegs. Die Tasse, das Haferl oder die Kanne Kafee will mit Muse
Wenn es um meine Leib-, sprich die Süß- und Mehlspeisen, die Kuchen, Torten und Teigtäschchen geht, kenne ich allerdings keine Grenzen. Ob Bayrisch Creme, Schwarzwälder Kirsch, Dresdner Stollen, Linzer Torte, Florentiner Apfel, Salzburger Nockerln oder die Himmlische Torte. Da bin ich Kosmopolit und kein Sahnehäubchen-Sezessionist. Hauptsache das Objekt meiner Begierde ist ein