Der Bäck vo Biche

Photo2213Er ist eine Institution im Tölzer Land – da Eberl in Bichl. Als originales Oberlandler-Gwachs ist mir die Dorfbäckerei zu Füßen der Benediktenwand selbstredend seit Jahrzehnten bestens bekannt. Ein Fixpunkt auf der Landkarte für süße Sachen. Und die Brezen – knusprig und resch – sind sowieso sensationell. Einfach guad – einfach gschmackig. Manchmal mach ich deswegen sogar einen kleinen Schlenker, damit Bichl und sei Bäck am Weg liegt. Aber nur manchmal! Es ist halt wie im Krimi, der Mörder kommt stets zum Ort seiner Verbrechen, seiner „Schandtaten“ zurück. Der „Modus Operandi“ bleibt sich dabei immer gleich. Zuerst verschwinden ein oder zwei Brezen in den Hamsterbäckchen und hinterlassen beim „Abgang“ einen feinen salzigen Geschmack im Gaumen. Hernach verabreiche ich mir das Gegengift – und zwar wohldosiert.

Photo2206In Form einer „kalorienreduzierten“ Cremetorte oder eines Obstkuchens mit Sahne wirkt das Serum hervorragend. Süß und sahnig, inniglich, himmlisch. Zwischen den Begriffen „Torte“ und „Toter“ besteht eben ein feiner semantischer Unterschied, der indes essentiell ist. Doch zurück nach Bichl, zurück zum Bäcker mit dem Brezen-Signet: der Eberl-Family, einer alteingesessenen Brot- und Brezenmacher-Dynastie . Schon vor 350 Jahren – vor kurzem gab es aus diesem Anlass ein kleines Fest’l – fand das Anwesen Nr. 13 Erwähnung, der “Peck”, als die Baulichkeiten von einer gewissen Familie Mayr erworben wurde. Seitdem steht der „Bäck vo Biche“ für Kontinuität. Seit über 300 Jahren wird hier die Backstube angeschürt – eine Seltenheit in der schnelllebigen Zeit der Back-Shops und Semmel-Discounter. Ja der Bichler Traditionstempel gilt als einer ältesten Bäckereien Deutschlands. Der jetzige Junior-Chef Josef Eberl jun. Schmeißt den Laden nunmehr in der fünfzehnten Generation. Eine beeindruckende Zahl.

Photo2210Auf dem Weg vom bescheidenen Dorfbäcker zum lokalen Anbieter mit einigen Filialen und einem 2017 neu errichteten Café im luftigen Loft-Look ist der Bichler-Bäck doch dem Grundsatz traditioneller Handwerkskunst treu geblieben: selbst gemacht schmeckt am besten. Auch oder gerade weil die Bäckerei Eberl in technischer Hinsicht zu den modernsten Betrieben seiner Art zählt. Die verwendeten Rohstoffe kommen aus der Region und bei der Herstellung der „Ware“ lässt man sich Zeit. Schließlich muss der Teig gehen damit der Geschmack richtig zur Geltung kommt. Basis der Brote ist der hauseigene Natursauerteig, mit frischer Hefe, ohne Backmittel und ohne Konservierungsmittel.  Roggen, Weizen, Dinkel & Co. werden jeden Tag frisch in der Mühle gemahlen und innerhalb weniger Stunden verarbeitet, dadurch bleiben erheblich mehr Vitamine und Spurenelemente erhalten.

Photo2214Doch Brot allein macht zwar satt, zum stillen Glück des Genießers gehört jedoch für mich noch der verführerische Duft aus der Tortentheke. Mit konkreten Empfehlungen tu ich mich da immer etwas schwer, eines sei jedoch verraten. Auf meiner persönlichen Ranking-Skala stehen ein (mit Mandeln) gedeckter Apfelkuchen und die kreativen Kreationen der Torten-Kunst, wobei ein Klassiker wie die Schwarzwälder Kirsch für mich einfach unerreicht bleibt. In dem Sinne: lasst es euch schmecka ihr Frecka…

Euer Torten-Tester Dinesh Bauer

Torten: 5,0 Kuchen/Gebäck: 4,5. Kaffee: 4,0 Ambiente: 4,5 Preis: 3,0, Service: 4,0 Gesamtnote:  4,2

Adresse: Kocheler Straße 10, 83673 Bichl, Telefon: 08857 – 8107, Web: http://www.bäckerei-eberl.de

Torten-Test

Auf die sanfte Tour: Kaffeetscherl’n weiß-blau

20150519_1677Coffee to go? Selbstredend ein No-Go. Schon wegen der Wegwerf-Becher und allen damit verbundenen ökologischen Sauereien – aber nicht nur. Kaffee ist für mich der reine Genuss. Kaffee gehört in die Tasse und nicht in Papp- oder Plastikbecher. Das edle Gebräu aus Arabica- oder Robusta-Bohnen ist kein Ex und Hopp-Getränk für unterwegs. Die Tasse, das Haferl oder die Kanne Kafee will mit Muse
getrunken werden. Dass für mich ein Kuchen, eine „Süßspeise“, ein Dessert zum Kaffee gehört wie das Amen in der Kirche, will ich nicht verschweigen. Denn ich bin ein bekennender „Süßer“. Schon seit Kindesbeinen kam mir kein Krapfen, keine Kirta-Nudel, keine Buchtel, keine Golatsche, kein Kücherl oder Kipferl, kein Amerikaner und kein Bienenstich aus. Wie sich der Aufzählung unschwer entnehmen lässt, stamme ich aus dem süddeustchen Raum, genauer gesagt aus dem bayrischen Oberland. Dem urbayrischem Landstrich zwischen dem Starnberger See und dem Inntal. Ich bin also ein gestandenes Mannsbild – und bringe bei einer Körpergröße von exakt 192 cm, knapp 100 Kilo auf die Waage. Nun ja.

photo0386Wenn es um meine Leib-, sprich die Süß- und Mehlspeisen, die Kuchen, Torten und Teigtäschchen geht, kenne ich allerdings keine Grenzen. Ob Bayrisch Creme, Schwarzwälder Kirsch, Dresdner Stollen, Linzer Torte, Florentiner Apfel, Salzburger Nockerln oder die Himmlische Torte. Da bin ich Kosmopolit und kein Sahnehäubchen-Sezessionist. Hauptsache das Objekt meiner Begierde ist ein
himmlischer Hochgenuss. Gäbelchen für Gäbelchen, Löffelchen für Löffelchen das pure Gaumenglück, ein rezeptorisches Erlebnis ohne Reue. Bei mir schiebt keiner den Dampfnudel-Blues. Es lässt sich nicht länger leugnen, ich bin süchtig – und will mit diesem Blog vorsätzlich und wissentlich andere in die Abhängigkeit von Koffein und Dopamin treiben. Also ich habe Sie ausdrücklich vor den fatalen Folgen
einer Überdosis gewarnt – seien Sie sich bewusst, dass Sie es mit einem notorischen Bavesen-Banditen und Germknödel-Gauner zu tun bekommn. Und die Torte, äh der Tote ist….

Ich lade Sie herzlich ein, mit mir auf die Punsch-Pirsch zu gehen, auf Entdeckungstour im Reich der Strudel und Sahnetörtchen. Kehren Sie mit mir in die Wunderwelt der Cafés, der Konditoreien, Zuckerbäckereien und Dessert-Designer ein. Ich werde bei Hochland-Kaffee und Kaiserschmarrn meinen Notizblock zücken, um dieses mit Impressionen und persönlichen Eindrücken aus den Backstuben und Kaffeehäusern zu füllen. Folgen wir also heimlich, still und stets zu neuen Untaten bereit den Fährten von Kaffeefahrern und Schleckermäulchen, spüren wir die Zuckerguss-Zauberer im hintersten Winkel wegloser Wälder auf. Wir knuspern an ihrem Häuschen. Wenn Sie mich auf meiner Spurensuche begleiten wollen, dann schicken Sie mir doch bitte ihren „Süß-Stoff“, ihren Geheim-Tipp, wenn es um die süßeste Nebensache der Welt geht.Von A wie Apfelschmand bis Z wie Zuppa Romana. Ich freu mich drauf.

Euer „Bake & Cake-Blogger“ Dinesh Bauer