Er ist eine Institution im Tölzer Land – da Eberl in Bichl. Als originales Oberlandler-Gwachs ist mir die Dorfbäckerei zu Füßen der Benediktenwand selbstredend seit Jahrzehnten bestens bekannt. Ein Fixpunkt auf der Landkarte für süße Sachen. Und die Brezen – knusprig und resch – sind sowieso sensationell. Einfach guad – einfach gschmackig. Manchmal mach ich deswegen sogar einen kleinen Schlenker, damit Bichl und sei Bäck am Weg liegt. Aber nur manchmal! Es ist halt wie im Krimi, der Mörder kommt stets zum Ort seiner Verbrechen, seiner „Schandtaten“ zurück. Der „Modus Operandi“ bleibt sich dabei immer gleich. Zuerst verschwinden ein oder zwei Brezen in den Hamsterbäckchen und hinterlassen beim „Abgang“ einen feinen salzigen Geschmack im Gaumen. Hernach verabreiche ich mir das Gegengift – und zwar wohldosiert.
In Form einer „kalorienreduzierten“ Cremetorte oder eines Obstkuchens mit Sahne wirkt das Serum hervorragend. Süß und sahnig, inniglich, himmlisch. Zwischen den Begriffen „Torte“ und „Toter“ besteht eben ein feiner semantischer Unterschied, der indes essentiell ist. Doch zurück nach Bichl, zurück zum Bäcker mit dem Brezen-Signet: der Eberl-Family, einer alteingesessenen Brot- und Brezenmacher-Dynastie . Schon vor 350 Jahren – vor kurzem gab es aus diesem Anlass ein kleines Fest’l – fand das Anwesen Nr. 13 Erwähnung, der “Peck”, als die Baulichkeiten von einer gewissen Familie Mayr erworben wurde. Seitdem steht der „Bäck vo Biche“ für Kontinuität. Seit über 300 Jahren wird hier die Backstube angeschürt – eine Seltenheit in der schnelllebigen Zeit der Back-Shops und Semmel-Discounter. Ja der Bichler Traditionstempel gilt als einer ältesten Bäckereien Deutschlands. Der jetzige Junior-Chef Josef Eberl jun. Schmeißt den Laden nunmehr in der fünfzehnten Generation. Eine beeindruckende Zahl.
Auf dem Weg vom bescheidenen Dorfbäcker zum lokalen Anbieter mit einigen Filialen und einem 2017 neu errichteten Café im luftigen Loft-Look ist der Bichler-Bäck doch dem Grundsatz traditioneller Handwerkskunst treu geblieben: selbst gemacht schmeckt am besten. Auch oder gerade weil die Bäckerei Eberl in technischer Hinsicht zu den modernsten Betrieben seiner Art zählt. Die verwendeten Rohstoffe kommen aus der Region und bei der Herstellung der „Ware“ lässt man sich Zeit. Schließlich muss der Teig gehen damit der Geschmack richtig zur Geltung kommt. Basis der Brote ist der hauseigene Natursauerteig, mit frischer Hefe, ohne Backmittel und ohne Konservierungsmittel. Roggen, Weizen, Dinkel & Co. werden jeden Tag frisch in der Mühle gemahlen und innerhalb weniger Stunden verarbeitet, dadurch bleiben erheblich mehr Vitamine und Spurenelemente erhalten.
Doch Brot allein macht zwar satt, zum stillen Glück des Genießers gehört jedoch für mich noch der verführerische Duft aus der Tortentheke. Mit konkreten Empfehlungen tu ich mich da immer etwas schwer, eines sei jedoch verraten. Auf meiner persönlichen Ranking-Skala stehen ein (mit Mandeln) gedeckter Apfelkuchen und die kreativen Kreationen der Torten-Kunst, wobei ein Klassiker wie die Schwarzwälder Kirsch für mich einfach unerreicht bleibt. In dem Sinne: lasst es euch schmecka ihr Frecka…
Euer Torten-Tester Dinesh Bauer
Torten: 5,0 Kuchen/Gebäck: 4,5. Kaffee: 4,0 Ambiente: 4,5 Preis: 3,0, Service: 4,0 Gesamtnote: 4,2
Adresse: Kocheler Straße 10, 83673 Bichl, Telefon: 08857 – 8107, Web: http://www.bäckerei-eberl.de


Die Bäckerei Gattinger ist ein Geheimtipp – mitten in Sendling und doch nicht „mittendrin“. Seit über 70 Jahren rollen Semmeln, Laiberl, Weckerl und Brezen aus der Backstube nach vorn ins Café. Und natürlich auch süße Sachen, Quarktaschen, Streuseltaler, Nusshörndl. Alles aus hauseigener Produktion, was heute leider schon Seltenheitswert hat. Denn nicht in jeder „Bäckerei“ wird auch selbst gebacken. Der Backautomat, die tiefgekühlte Fertigware ist nicht nur in den zahllosen Café-Shops, „Back-Paradiesen“ und SB-Discountern auf dem Vormarsch. Beim Gattinger ist dem nicht so. Der „Brez’n Sepp“, der leider vor einigen Jahren verstorben ist, hat sich Nomen est Omen mit seinem feinen, knusprigen Laugengebäck einen Namen gemacht.
Inzwischen führen seine beiden Söhne – mit Hilfe der Verwandtschaft – den Laden weiter. Die Konditorei liegt gleich neben dem Luise-Kiesselbach-Platz, neben einer alteingesessenen Wirtschaft, dem „Wöllinger“. Von außen macht das Geschäft nicht viel her, das Angebot an Süßwaren dafür umso mehr. Das Mehl bezieht der „Gattinger“ von einer Privatmühle, die Bohnen von der Kaffeerösterei Dinzler, die sich von einer kleinen privaten Rösterei zu einem regionalen Multi mit breit gefächertem Vertriebsnetz gemausert hat. Capuccino, Espresso & Co. brodeln wie üblich aus dem Vollautomaten, der Filterkaffee wird wie in alten Zeiten aus der Thermoskanne ausgeschenkt.
Was den Sendlinger „Bäck“ zum lohnenswerten „Ausflugsziel“ für Marzipanmäulchen und Zuckerschnuten macht, ist das Wunderland in der Glasvitrine. Sahneschnittchen, Obstkuchen und vor allem das Plundergebäck – Croissants, Rosinenschnecken, Kirschplunder, Quarkstreusel lassen das Herz hüpfen. Die goldgelbe Kruste zersplittert beim ersten Biss, die „Füllstoffe“, Topfen, Marmeladen et cetera zergehen auf der Zunge. Das mobilisiert die Endorphine und weckt die guten Lebensgeister. Bis – simsalabim – die letzten Krümmel vom Teller stibitzt sind. Das Laden-Café bietet an 5 Tischen Platz für rund 25 Besucher. Wegen dem nun ja, „Bistro-Chic“ des Interieurs verirrt sich niemand hierher, sondern einzig und allein um zielgerichtet der Süß-Sucht zu frönen. Jeden Freitag lockt ein besonderes „Schmankerl“: ein Reinderl Apfel- und Topfenstrudel. Fast so fein wie bei Mama daheim. Da heißt es dann fix sein, um ein Strudel-Stückchen mit fein säuerlichem Aroma zu ergattern. Fazit: ein virtuoses Kuchengabel-Menuett in Ess-Dur.